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Die Bibel mit Disziplin und Sehnsucht lesen

Ich sehne mich danach, deinen Geboten zu gehorchen! Erneuere mein Leben durch deine Güte. Herr, sei mir gnädig und rette mich, wie du es mir versprochen hast. (Psalm 119,40-41)

In den kommenden Blogs beschäftigen wir uns damit, wie wir die Bibel mit unserem ganzen Sein lesen können. Aber viele von uns kämpfen mit einem viel tiefer liegenden Problem: Was, wenn wir die Bibel gar nicht lesen WOLLEN?

Das auch nur zuzugeben, kann für manche ziemlich hart sein. Für viele Christen ist das Bibellesen ein großes „Muss“ des Glaubens, besonders als Teil einer täglichen Andacht, Gebets- oder „Stillen“ Zeit. Tatsächlich ist das wahrscheinlich ein Teil des Problems. Vielen von uns wurde gesagt, dass wir die Bibel lesen sollen, aber nicht, wie wir dranbleiben oder warum überhaupt.

Aber es ist nichts falsch daran, einfach ehrlich zu sein. Spätestens nach ein paar Jahren im Glauben werden wir Zeiten erleben, in denen uns die Bibel ziemlich „bla“ vorkommt. (Ja – das ist der theologische Fachbegriff.) Solche Zeiten sind Gelegenheiten zum Lernen, die Dinge neu aufzurütteln, und sich auf den Grund zu besinnen, warum wir überhaupt ein bibeltreues Leben führen wollen –um unseren Platz in der Geschichte zu finden, die auf Jesus hinweist. In diesem Sinne möchte ich euch vier Dinge vorschlagen, die jede und jeder von uns tun kann, wann immer (und nicht „falls“) wir die Bibel nicht lesen wollen.

1. Frage ehrlich nach dem „Warum?”

Wir leben oft ein „ungeprüftes Leben“, daher kann eine bewusste Reflexion des „Warum?“ hinter unseren Gefühlen und Entscheidungen sehr wirkungsvoll sein. Vielleicht sind viele von uns versucht, hier schnell eine Schambotschaft einzuwerfen, wie: „Ich weiß, dass mein Herz böse ist. Ich will nicht mal mehr die Bibel lesen. Ich bin so ein schlechter Christ… .”

Moment. Es würde uns doch überhaupt nicht kümmern, dass wir die Bibel nicht lesen wollen, wenn das der Fall wäre, oder? Die bloße Tatsache, dass es uns beschäftigt, zeigt doch, dass wir es eigentlich doch wollen. Und dass ist ein guter Startpunkt. Tatsächlich offenbart der fehlende Wunsch, die Bibel zu lesen, womöglich das tiefere Verlangen, es doch zu tun.

Und wenn wir ehrlich nach dem „Warum“ fragen, werden wir wahrscheinlich einen tieferen Einblick in unser geistliches Leben bekommen. Vielleicht steckt hinter dem „Warum“ die Tatsache, dass wir erschöpft sind von zu viel Arbeit, der Verantwortung für die Kinder, einem brutalen Stundenplan oder dem Stress der Arbeitslosigkeit. Vielleicht steckt Trauer dahinter, das Bedürfnis nach Bewegung und frischer Luft oder die Sehnsucht nach Gesellschaft. In jedem Fall gibt uns der Blick unter die Oberfläche einen Einblick, der uns weiterbringt. Das hilft uns, gnädig mit uns selbst zu sein. Und es bekräftigt den Wunsch, ein Mensch zu sein, der tief mit der Bibel verbunden ist.

2. Vertraue deinen geistlichen Instinkten

So wie du (im Allgemeinen) den Signalen deines Körpers in Bezug auf Hunger, Durst, Schlaf und Bewegung vertrauen kannst, kannst du auch (im Allgemeinen) deinen geistlichen Instinkten vertrauen. Das bedeutet nicht, dass wir uns einfach auf unsere Gefühle verlassen sollten, ohne sie kritisch zu hinterfragen. Aber manchmal, wenn wir die Bibel nicht lesen wollen, könnte eine Pause oder eine andere Art von geistlicher „Übung“ eine wertvolle Abwechslung bringen.

Für mich war der Vorschlag eines Mentors sehr ermutigend, meinen täglichen Weg zur Arbeit (sechs Meilen mit dem Fahrrad über einen Trampelpfad durch die Prärie in Illinois) in Zeit umzuwandeln, die ich gerne mit Gott verbrachte. Es war die Zeit nach meinem Studium, als ich regelrecht vollgestopft war mit der Bibel in drei verschiedenen Sprachen. Noch mehr zu lesen fühlte sich einfach unmöglich, kraftraubend und entmutigend an. Es war so befreiend, diese Fahrradstrecken Gott zu widmen, und beim Beten und Strampeln kamen mir häufig Sätze und ganze Abschnitte der Bibel in den Kopf. Zurückblickend sehe ich, dass ich meinen geistlichen Instinkten vertrauen musste, die gesagt haben: „Genug gelesen, jetzt brauchst du erst mal Zeit, das alles zu verarbeiten!“

Vielleicht wirst du überrascht sein von dem, was auftaucht, wenn du deinem Bauchgefühl vertraust, und trotzdem weiter nach Gottes Weisheit suchst. Und wenn du wieder bereit bist, die Bibel einfach klassisch zu lesen, wirst du es umso mehr wertschätzen.

3. Verändere die Situation

Du kannst ganz proaktiv eine positive Veränderung herbeiführen. Das menschliche Gehirn ist darauf ausgelegt, sich fit zu halten, indem es Abwechslung sucht. „Abwechslung tut Wunder“, sagt man, und es stimmt. Hier sind ein paar Ideen:

Probier mal eine neue Übersetzung oder eine andere Form. Wenn du die Bibel liest, probier es mal mit Hören (es gibt reichlich kostenlose Versionen). Wenn du sie in der Regel hörst, probier es mal mit Lesen (z.B. eine dieser wunderschön gestalteten Bibeln, die heutzutage erhältlich sind). Wenn du schon eine Weile im gleichen Buch oder Kapitel „festhängst“, lies mal Abschnitte, die du noch nie oder schon lange nicht mehr gelesen hast. Lies mal ein vertrautes Buch der Bibel kapitelweise von hinten nach vorne (klar ist das seltsam, aber im Ernst – du wirst überrascht sein, welche Details dir dabei auffallen). Such dir ein Thema oder Bild aus und folge ihm durch ein Buch oder einen Abschnitt („Liebe“ in Deuteronomium ist ein Klassiker, oder „Stille“ im Markusevangelium). Such dir einen Abschnitt aus und nimm ihn als Vorlage für ein Bild, ein Gebet oder eine andere kreative Antwort (Die Bibel hat nicht umsonst über Jahrhunderte Künstler und Denker inspiriert!). Schau dir eines der BibleProject-Videos an, bevor du den entsprechenden Abschnitt liest.

Das Grundprinzip ist einfach: Probier etwas Neues aus; etwas, das sich natürlich anfühlt und dich abholt, und dann hab Spaß damit.

4. Es ist nicht für immer

Das gilt unabhängig davon, wie es dir gerade in genau diesem Moment deines Lebens mit der Bibel geht. Wie die verschiedenen Jahreszeiten hat jede unterschiedliche Phase in unserem Bibellesen ihren Sinn und ihren Nutzen. Aber eins ist sicher: Es ist nicht für immer. Gefühle kommen und gehen, während die Wurzeln unserer Sehnsucht weiter wachsen.

In einem ausgeglichenen Leben sollte Bibellesen sowohl eine Disziplin als auch ein Wunsch sein. Meine Hoffnung ist, dass wir uns gegenseitig mehr dazu ermutigen, eine tiefe Sehnsucht zu entwickeln, öfter und tiefer in die Bibel einzutauchen. Außerdem hoffe ich, dass wir uns gegenseitig helfen können, praktische Strategien zu entwickeln, wie wir die reichhaltigen (aber komplexen) Inhalte der Bibel besser verstehen und genießen können.

Wichtig ist, dass wir unser Bestes tun, damit die jetzige Phase ihre Arbeit tun kann. Wir sollten uns daran erinnern, dass die Bibel uns ein Leben lang begleitet. Sie kann nicht innerhalb von ein paar Monaten oder einem Jahr „abgehakt“ werden. Wenn wir das wirklich verstehen, können wir auch mit solchen Zeiten Frieden schließen, in denen uns einfach nicht danach ist, sie zu lesen – und solche Zeiten werden kommen.

Im Original von Paul J. Pastor
Übersetzung von Sandra Weißsieker

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