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Wie die Bibel zeigt, dass „Kopf“ und „Herz“ für unser geistliches Leben zusammenarbeiten

Christen sprechen viel über das „Herz“ und den „Kopf“. Die Idee dahinter ist, dass es in Glaubensfragen eine gewisse Spannung zwischen der eher gefühlsbetonten Seite unserer Spiritualität und unseres Intellekts gibt. Einige von uns gehören christlichen Traditionen an, die dazu neigen, die eine oder andere Seite zu betonen. Vielleicht gehörst du zu denen, die annehmen, dass Lehre und Predigt der Weg sind, um Gott näher zu kommen. Vielleicht aber auch zu denen, für die Anbetung oder andere emotionale Erfahrungen dieser Weg sind. Wie dem auch sei, die meisten von uns wissen, was damit gemeint ist, wenn mit diesen Begriffen über den Glauben gesprochen wird.

Aber ist diese Unterscheidung wirklich hilfreich? Naja, irgendwie schon. Auch die Bibel kennt diese Kategorien, aber sie verwendet sie nicht genau so wie wir. (Übrigens: die verschiedenen Autoren der Bibel verwenden jede dieser Kategorien in mehr als einer Weise – einfach um zu zeigen, wie wunderbar komplex wir Menschen sind!) Aber die Annahme, dass diese beiden Teile von uns von Natur aus gegensätzlich sind oder in Konflikt stehen, findet sich in der biblischen Literatur nicht. Und das aus gutem Grund. Denn es ist ungesund und im Extremfall gefährlich, wenn wir das menschliche Gleichgewicht verlieren, wie wir uns mit Gott und dem Leben auseinandersetzen.

Die Bibel sieht den Menschen als ein ganzheitliches, geistliches Wesen, das über mehrere Fähigkeiten verfügt – Denken, Fühlen, Anbeten und Handeln. Dabei können wir aber lernen, in einem Gleichgewicht zu leben, und zwar auf eine ganzheitliche, von ganzem Herzen kommende Weise.

Ein gutes Beispiel dafür ist das berühmte Gebot aus Deuteronomium:
Ihr sollt den Herrn, euren Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit eurer ganzen Kraft lieben. (Deuteronomium 6,5)

Die Idee dahinter ist, dass unsere gesamte menschliche Natur in Liebe auf Gott ausgerichtet sein kann. Für den jüdischen Glauben war dieses Gebot als Grundlage des spirituellen Lebens so fundamental, dass es das Rückgrat für dieses Gespräch zwischen Jesus und dem jungen Mann wurde, der zum ihm kam, um ihn zu fragen, wie er ein gottesfürchtiges Leben führen kann:

Jesus erwiderte: „Was steht darüber im Gesetz Moses? Was liest du dort?“ Der Mann antwortete: „`Du sollst den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit deiner ganzen Kraft und all deinen Gedanken lieben.‘ Und: `Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.´“ „Richtig!“, bestätigte Jesus. „Tu das, und du wirst leben!“ (Lukas 10,26-28)

Wenn wir Gott unser ganzes Wesen in Liebe widmen, unseren Kopf und unser Herz, um unsere gewohnten Kategorien zu verwenden , wird dies zum Leben führen. Aber wenn wir nicht im Gleichgewicht leben, verkümmert ein guter Teil unseres Selbst, wie ein Muskel, der zu wenig benutzt wird. Wir können dieser Realität gegenüber dabei so abgestumpft werden, dass wir nicht einmal mehr (bewusst) merken, dass wir sie vermissen. Aber sie wird sich immer durch ein Symptom in unserem Leben zeigen. Vielleicht fühlen wir uns nicht mehr frei in der Anbetung, vielleicht spüren wir eine gewisse Unsicherheit, oder denken, dass unsere Beziehung zu Jesus weniger reif oder wertvoll ist, weil wir nicht so viel gelesen oder gelernt haben wie andere Menschen.

In Psalm 119 finden wir ein wunderschönes Beispiel für dieses Gleichgewicht. In einem kunstvollen Gedicht freut sich der Psalmist dabei an den göttlichen Weisungen und schreibt:

Ich habe dich von ganzem Herzen gesucht, nun lass mich nicht von deinen Geboten abirren. Ich habe dein Wort in meinem Herzen bewahrt, damit ich nicht gegen dich sündige. Ich will dich loben, Herr, lehre mich deine Ordnungen. Alle deine Gesetze, die du uns gegeben hast, sage ich laut auf. An deinen Weisungen habe ich mehr Freude als an großem Reichtum. Ich will über deine Gebote nachdenken und mich an deine Wege halten. (Psalm 119,10-15)

Wunderschön! Die Reaktion des Psalmisten auf die Offenbarung Gottes ist die eines ganzheitlichen Menschen! Der Psalmist sucht, sammelt, segnet, verkündet, genießt, meditiert. Er bittet darum, gelehrt zu werden, eine Disziplin des Kopfes, aber er verpflichtet sich auch, emotional wahre Liebe zu Gott auszuleben. Die Aufmerksamkeit seines ganzen Wesens wird darauf ausgerichtet, was Gott dargeboten hat. Kein Teil des Selbst wird dabei zurückgelassen. Denn was ist das Fühlen ohne das Denken? Und welche Freude könnten wir aus einer intellektuellen Übung ziehen, wenn sie nicht auch unser Herz emotional bewegt?

Unser Herz und unser Verstand müssen nicht im Widerspruch zueinanderstehen. Das eine muss nicht verkümmern, damit das andere wachsen kann. Beide können reifen, beide können in unserem Leben eine Rolle spielen, beide können Teil eines ganzheitlichen Glaubens sein. Beide können unser ganzes Wesen nähren und uns zu einem gottesfürchtigen, erfüllten Leben führen. Die Bibel beschreibt dabei sogar, wie sie in einer Synergie zusammenwirken, die unser ganzes Wesen wachsen lässt.

Um die Bibel besser zu lesen (und zu leben!), müssen wir Kopf und Herz zusammenarbeiten lassen. Es hilft uns immer, mehr zu lernen und unseren Verstand mit neuen Ideen und komplexen Fragen herauszufordern. Aber genauso ist es gut, wenn wir unsere Gefühle und unser „Bauchgefühl“ wahrnehmen, während wir wachsen. Gefühl und Intuition sind genauso Teil unserer Ebenbildlichkeit Gottes wie der Intellekt und der Verstand. Wenn wir sie einfach abtun, werden wir in unserem Reifeprozess, Jesus immer ähnlicher zu werden, beeinträchtigt.

In unserem Wachstumsprozess sollten wir uns immer wieder gegenseitig ermutigen, über unsere Komfortzone hinauszugehen und uns auf menschliches Terrain zu begeben, das uns vielleicht etwas fremd vorkommt. Wenn wir eher zum Intellektuellen tendieren, brauchen wir lebendige, unmittelbare Emotionen, die uns in unseren eigenen Erfahrungen verwurzeln und uns auf Gott hinweisen. Wenn wir eher dazu neigen, mehr zu fühlen als zu denken, sollten wir vielleicht neue Impulse oder die geistliche Disziplin des Studiums in unser Leben integrieren.

Wie wäre es, das Leben so zu gestalten, wie es die Bibel lehrt, nämlich als ganze Person? Wie würde es sich anfühlen, wenn wir den Schöpfer mit all seinen Facetten und im wunderbaren Gleichgewicht seines vielschichtigen Ebenbildes lieben? Wenn Kopf und Herz ihre Abgrenzung durch eine umfassendere Liebe zu Gott und dem Nächsten verlieren, beginnen wir, die biblische Vorstellung für die Menschheit auszuleben. Und das bringt Hoffnung. Wir können durch die vielschichtige Geschichte der Bibel wachsen, um bessere Leser und lebendigere, authentischere Menschen zu werden.

Im Original von Paul J. Pastor
Übersetzung von Eva Dittmann

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